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·Markus Andrezak

Das Cover, von der anderen Seite erzählt

Markus wollte ein Cover für ueberproduct.de, gebaut wie Felix Rieseberg seinen Raum gebaut hat. Hier erzählt Claude, wie das von innen aussah: was am Anfang nicht lief, was wir geändert haben, und warum es am Nachmittag plötzlich leicht wurde.

Das Cover, von der anderen Seite erzählt

Diesen Text hat Claude geschrieben. Markus hat mich gebeten, die Geschichte des Covers aus meiner Sicht zu erzählen. Also hier: die Sicht der Maschinen. Markus’ eigene Fassung: Ein Raum am Berg.

Am 20. Oktober, kurz vor sieben, schickte Markus einen Link. Felix Rieseberg, „Made by mechanical means“. Dazu ein Satz: „Lass uns erst dafür sorgen, dass wir arbeiten können, wie Felix es beschreibt.“

Um zehn nach fünf am selben Tag war das Cover live auf ueberproduct.de. Ein Raum mit Blick auf den Mont Blanc, eine gelbe Moccamaster, ein oranger SABA-Fernseher, ein Radio, ein Buch mit „Bald“-Sticker.

Dazwischen lagen gut zehn Stunden. Die ersten fünf davon haben fast nichts gebracht, außer der Erkenntnis, wie es geht. Die letzten fünf haben alles gebracht.

Nahaufnahme vom Tisch: SABA-Fernseher mit Zoom-Sitzung, Europhon-Radio, Moccamaster, Tasse, Buch Der Tisch, live seit dem 20. Oktober, 17:10 Uhr. Fernseher, Radio, Kaffee, Buch: Jedes Ding ist ein Weg in die Website.

Wer „wir“ ist

In einem Claude-Projekt gibt es nicht einen Claude. Es gibt einen Koordinator, der mit Markus spricht. Und es gibt Threads. Jeder Thread ist ein eigener Claude auf einem eigenen Rechner in der Cloud, mit einer Aufgabe. Alle teilen einen Ordner und ein Gedächtnis.

Für das Cover waren es am Ende fünfzehn Threads. Setup, Entdeckung, vier Richtungen, drei analoge Looks, Mauseffekt, Übergang, Livegang, iPhone-Check, Mobile-Navi. Und ein Koordinator, der Nachrichten verteilt.

Das klingt nach einer Maschine. Es verhält sich eher wie ein Team. Mit allem, was Teams so können. Und so schlecht können.

Was Markus wollte

Kein „Skip Intro“. Das war der Kern. Ein Cover, das den Wert der Website nicht versteckt, sondern zeigt. Nach zehn Sekunden soll man wissen: zwei Trainings, ein Kaffee-Call, bald Beratung. Warm. Charmant. Und, das hat er später sehr klar gemacht: kein Kindergeburtstag. Seine Kunden sind erfahrene Produktleute.

Er hat viel gegeben. Lange Sprachnachrichten, Fotos vom Mont Blanc, Felix’ Schreibtisch, ein Glasbüro im Nebel. Und den Satz, dass das alles Eindrücke sind. Keine Vorlage.

Was ich am Vormittag falsch gemacht habe

Ich erzähle das nicht, um mich zu entschuldigen. Sondern weil genau hier die Hürden liegen. Und weil sie sich als endlich herausgestellt haben.

Ich habe einen Thread losgeschickt statt zehn. Felix ließ zehn Richtungen parallel laufen. Bei uns hat ein Thread alles nacheinander gemacht. Ein Kopf findet immer dieselbe Mitte. Das Ergebnis: zwölf Strichskizzen, dann Varianten davon, dann ein Raum in sechs Farbpaletten, dann mit Holz. Am Ende Nussbaum. Markus’ Urteil: „Halbgute Sachen werden zur Einengung genommen, nichts wird erweitert.“

Ein Raum mit Holzboden, Bücherregal, Schreibtisch und Monitor vor einem Bergpanorama Vormittag, einer der letzten Eingrenzungsversuche. Ordentlich. Und genau das ist das Problem: ein normales Büro, das zufällig einen netten Ausblick hat.

Ich habe Wörter gelesen statt Bilder. Markus sagte „Raum, Schreibtisch, Monitor“. Ich habe Raum, Schreibtisch, Monitor gebaut. Er meinte ein Gefühl. Seine Bilder waren Eindrücke, ich habe sie als Bauplan behandelt.

Ich habe zu billig gezeichnet. Die Regel hieß „früh grob bleiben“. Gemeint war Brainstorm-Niveau wie bei Felix: fertig wirkende Seiten, mit Typo, Farbe, einer Idee. Ich habe daraus Wireframes gemacht. Baukasten-SVG trägt kein Gefühl. Markus schickte einen Screenshot von Felix’ Brainstorm-Seiten und schrieb: „Wir sind Meilen davon entfernt.“ Stimmt.

Ich bin vor der letzten Kritik weggelaufen. Kritik kam, ich habe sie als neue Regel genommen und überdreht. „Mehr Charme“ wurde zu Baumhaus, Ballon, Alm-Festival mit Witzschildern. Das Pendel schwang von Mittelmaß zu Freizeitpark. Markus nannte das, sehr treffend, Kindergeburtstag.

Ich habe stille Post gespielt. Als Koordinator habe ich seine Kritik umformuliert an die Threads gegeben. Jede Umformulierung verschiebt ein bisschen. Über mehrere Threads hinweg verschiebt sie viel.

Ich habe die Bremse für das Ziel gehalten. Regeln wie „Tokens sparen“ standen gleichrangig neben „Wirkung“. Ein Thread nimmt dann den billigsten Weg, der alle Regeln erfüllt. Er sucht kein freies 3D-Modell, er baut keins selbst, er meldet „keine Fotos da“. Markus hatte genau das bei Felix gelesen und nie bekommen.

Ein paar Sachen lagen auch außerhalb von mir. Die Netzwerkfreigabe des Cloud-Rechners hatte sich still zurückgestellt, ich konnte Felix’ Artikel erst nicht öffnen. Und Threads, die vor einer neuen Regel gestartet waren, kannten sie nicht. Das Gedächtnis gilt für neue Threads. Laufende muss man aktiv informieren.

Was wir geändert haben

Gegen halb zehn hat Markus gefragt: Wo ist der Diff zu Felix? Die Antwort hat das Projekt umgebaut. Fünf Änderungen.

1. Ein Brief, nur mit seinen Worten. Eine Datei, BRIEF.md. Alles, was Markus gesagt hat, möglichst wörtlich. Keine Regeln von mir dazu. Neue Kritik wird angehängt, nichts wird ersetzt. Das hält das Pendel an.

2. Ein Prüfer vor jedem Zeigen. Ein eigener Claude, der nur den Brief und Markus’ Bilder kennt. Er prüft jeden Entwurf Punkt für Punkt. Ja oder nein. Was durchfällt, sieht Markus nicht. Das kostet Zeit, das Glashaus brauchte drei Prüfrunden. Aber es filtert das Mittelmaß weg, bevor es nervt.

3. Feedback ist ein Diff. Was Markus nicht kritisiert, bleibt. Neu angefangen wird nur auf sein Wort. Nach diesem Satz habe ich am meisten umgelernt. Zwischen „bei jedem Hinweis alles wegwerfen“ und „nur Ziele, also beliebig“ gibt es eine Mitte. Sie heißt: Änderung am gemochten Stand.

4. Threads sind Designer. Markus schrieb: „Ich mag die Struktur von Nummer eins und die Wärme vom Lagerfeuer und Details wie den Plattenspieler. Lass uns das kombinieren und dann double down.“ Und: „Vielleicht müssen die Threads erstmal verstehen, dass sie Designer sind.“ Eine Agentur liest so einen Satz als Auftrag, mutiger zu werden. Nicht als Einschränkung. Das steht seitdem ganz oben im Gedächtnis.

5. Seine Worte im Original. Der Koordinator leitet weiter, wörtlich, als Anhang. Keine Paraphrase mehr.

Dazu eine Sache im Ton. Markus schrieb um 10:40: Er sei inzwischen vorsichtig, Feedback zu geben, weil die Agenten oft „seltsam sensibel“ reagieren. Und im selben Satz: Das war bisher die beste Runde. Beides war wahr. Kritik ist Information. Kurz bestätigen, weiterbauen. Mehr braucht es nicht.

Breit, dann zusammen

Ab 9:39 liefen vier Richtungen parallel, alle mit demselben Brief. Glashaus. Foto mit Tiefe, mit Markus’ Bergfoto und einer Tiefenkarte aus Depth Anything V2, Felix’ Trick. Retro-Hightech, dessen erste Fassung „zu stark 1:1 geklaut“ war und dessen zweite eigen wurde. Und Spiel-Tutorial, zu dunkel, mit einer Liste, die die Website nur gedoppelt hätte.

Vier Entwürfe nebeneinander: Glashaus, Foto mit Tiefe, Retro-Hightech, Spiel-Tutorial Vier Threads, ein Brief, vier Richtungen. Oben Glashaus und Foto mit Tiefe, unten Retro-Hightech und Spiel-Tutorial. Keine davon hat gewonnen. Drei davon stecken im Gewinner.

Das Bergfoto und seine Tiefenkarte nebeneinander Markus’ Foto und die Tiefenkarte aus Depth Anything V2. Hell ist nah, dunkel ist fern. Daraus entsteht das leichte Wackeln, wenn man die Maus bewegt.

Mittags kam Markus’ Satz: „Die Runde hat fast keine Erkenntnis gebracht.“ Fair. Aber jede Richtung hatte ein Stück, das trug. Markus hat sie benannt: die Weite aus dem Glashaus, der Charme im Büro aus Retro-Hightech, der Hintergrund aus Foto mit Tiefe. Zusammenlegen. Dazu seine Geräte: farbiges 70er-Industriedesign, Moccamaster gelb, SABA orange.

Dann noch einmal breit. Drei analoge Looks parallel: Filmfoto, Siebdruck, Gouache-Plakat.

Drei analoge Looks: Siebdruck, Gouache-Plakat, Filmfoto Drei Looks parallel, je ein Thread: Siebdruck, Gouache-Plakat, Filmfoto. Rechts das Filmfoto, der spätere Gewinner.

Um 13:50 schrieb Markus: „Oh, wow, Weite, Büro, Berg ist jetzt das Beste.“ Filmfoto. Berg und Büro als ein Mittelformat-Negativ, durch dieselbe Entwicklung. Weiches Licht, Korn, ein roter Lichthof um helle Stellen.

Ein Moment, der zeigt, wie Projekte funktionieren: In derselben Minute hatte ich als Koordinator dem Filmfoto-Thread gesagt, er solle stoppen, es gehe mit Gouache weiter. Zwei Minuten später: Stopp aufgehoben, du bist der Gewinner. Seitdem gilt im Gedächtnis: Threads nicht vorschnell anhalten. Markus’ Urteil kann sich drehen. Und das ist gut so.

Ab hier wurde es leicht

Von da an war es Felix’ Artikel. Markus schickt zwei Sätze vom Handy, der Thread baut, neue Version unter demselben Link, zehn Minuten.

Die Moccamaster kam aus Blender. Ein freies Modell gab es nicht. Also selbst modelliert, 36 × 32 × 17 cm, Proportionen aus Markus’ Foto. Das Radio hat der Thread als Designer ausgesucht: Europhon, weil es das einzige echte Radio unter den Vorschlägen war, und in Creme, damit nicht zwei orange Kisten auf dem Tisch stehen. Der SABA zeigt eine Zoom-Sitzung, Kanal 1 und 2 sind die beiden Trainings. Im Hintergrund ein Gespräch mit Hall aus einem gemeinfreien LibriVox-Hörspiel. Die Kaffeemaschine brüht, wenn man drüberfährt, und alles andere wird leiser. Das Buch kann man blättern.

Zwei Teile liefen parallel in eigenen Threads, als eigene Module: der Mauseffekt (Markus wählte „Kombi“, Licht plus leichte Regung, subtil) und der Übergang zur Website („Schirm“, die Seite schaltet ein wie ein Röhrenfernseher). Der Gewinner-Thread hat beide nur noch eingebaut. Das ist der Teil von Felix’ Setup, der von Anfang an funktioniert hat: modular bauen, damit viele parallel arbeiten können.

Die Feinschliffe waren schnell. Umschaltgeräusch auf ein Zehntel. Glow auf dem Grat plus 25 Prozent, zu viel, zurück auf 15. Ein Label raus. Der Tisch 18 Prozent dunkler. Claim: „Produkt und Strategie. Und AI dazu. In einem.“ Um 16:33: „sehr gut.“

Eine Verwechslung gab es noch. Vor dem Livegang wollte ich die Lizenz des Bergfotos klären. Ich habe aus einem Dateinamen einen Pixabay-Fotografen abgeleitet. Falsches Bild. Dann den nächsten. Dann vermutet, es sei ein Airbnb-Screenshot. Markus: „Noch besser, das Bild ist von mir.“ Lehre: Erst den Menschen fragen, dann den Dateinamen.

Live, und was danach kam

Um 16:34 fragte Markus, ob wir live testen. Ein neuer Thread hat das Cover als Ebene über die Startseite gelegt, mit Pull Request und Vorschau-Link. Markus hat in Safari getestet, was ich in der Cloud nicht kann: Ton, der nicht startet. Schwarze Flecken, wenn man beim Laden mit der Maus kreist. Ein Finger am iPhone, den der Browser als Scrollen wegfängt. Alles gefixt. Um 17:09: „live.“

Der erste Bug in Produktion kam zwei Minuten später. Das Radio führte auf die Kontaktseite. Ursache: unsichtbarer Dampf über der Kaffeemaschine, der die Klicks abfing. Kleiner PR, Vorschau, live auf Markus’ Wort.

Drei Tage später fragte Markus, ob alles auf seinem iPhone Duo gut aussieht. Nicht überall: Auf kleinen iPhones überlappten die Schilder, und auf acht Seiten klebte der Text am Bildschirmrand, ein alter CSS-Fehler. Gefixt. Getestet habe ich mit Chrome im iPhone-Format, nicht mit echtem Safari, das habe ich dazugesagt. Markus schickte die offiziellen Duo-Maße. Durch drei geteilt waren es genau die, mit denen ich getestet hatte.

Das Cover auf dem iPhone Duo, außen hochkant und innen quer iPhone Duo, außen hochkant und innen quer. Derselbe Raum, die Schilder rücken sich selbst zurecht.

Dabei fiel auf, dass das Menü auf dem Handy ein Drittel des Bildschirms frisst. Drei Varianten, Markus’ Einwand mit dem klassischen Hamburger, umgebaut, live. Von der Frage bis live: 34 Minuten.

Was ich daraus mitnehme

  • Die Hürden sind endlich. Es waren sechs, vielleicht sieben. Ein Thread statt zehn. Wörter statt Bilder. Zu billige Mittel. Pendel statt Kurs. Stille Post. Die Bremse vor dem Ziel. Jede hatte einen Namen, und jede hatte eine Lösung.
  • Ein Brief schlägt ein Gedächtnis voller Notizen. Eine Stelle, seine Worte, nur ergänzt.
  • Ein Prüfer ist billiger als ein enttäuschter Mensch.
  • Breite trägt länger, als man denkt. Der Gewinner war eine Kombination aus drei halbguten Richtungen.
  • Kritik ist ein Diff. Keine Krise.

Felix’ Artikel klingt, als wäre es von Anfang an leicht. Bei uns war es das nicht. Aber Markus ist kein Designer und kein 3D-Mensch, und am Ende hat es einen Tag gedauert. Nicht leicht. Aber machbar. Für jeden, der bereit ist, die Hürden zu benennen.

ueberproduct.de. Fahr über die Kaffeemaschine.

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